Digitales Shopfloor Management von Lean Knowledge Base (soundcloud.com) – Ein Industrie-4.0-Podcast

Dasifp aus Aachen hat unseren Mitgründer Dr. Christian Hertle über die Digitalisierung des Shopfloor Managements interviewt.

Dr. Jens Hambach

Shopfloor Management – Was ist das überhaupt und welche Vorteile bringt Shopfloor Management für Unternehmen mit sich?

Shopfloor Management ist eine Methode aus der schlanken Produktion – Ein Führungsinstrument: Führen am Ort der Wertschöpfung.

Es geht darum, Kennzahlen zu verfolgen, um die Produktion im Blick zu haben. So können Abweichungen erkannt und gegengesteuert werden.

Noch wird dies an Kennzahlentafeln (Bsp.: Whiteboards, Flipcharts) durchgeführt, die in der Produktion stehen. Hier trifft sich die Belegschaft mit ihrer Führungskraft regelmäßig – meistens täglich –, um die Produktionsleistungen zu besprechen. Neben solchen Kennzahlenbesprechung und Problemlösung geht es aber auch darum, wie man als Führungskraft auftritt: Man muss nicht alles selber lösen – sondern darf auch gerne dem Team vertrauen und mehr Verantwortung an die Mannschaft abgeben.

Zusammengefasst ist Shopfloor Management ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer schlanken, lernenden Organisation.

SFM Systems:

Digitalisierung des Shopfloor Managements

In Forschungs- und Beratungsprojekten an der Technischen Universität Darmstadt haben wir festgestellt, dass Shopfloor Management immer wieder bei bestimmten Themen hakt:

Zum Beispiel kostet das tägliche Aktualisieren von Shopfloortafeln mit aktuellen Kennzahlen und Informationen Führungskräfte viel Zeit, da es noch sehr umständlich ist und vieler verschiedener Programme bedarf. Ein anderes Thema ist wenig Transparenz: Bislang war es oft schwierig den Überblick zu behalten, wer an welcher Aufgabe gerade arbeitet, wie der Abarbeitungsstand ist, bis hin zu Rückmeldungen (falls Aufgaben eskaliert worden).

Hier sehen wir Potenzial, genau diese Probleme durch Digitalisierung zu adressieren. Ziel war es demnach, ein digitales Shopfloor Management zu entwickeln.

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.. Aber wie muss man sich die technische Umsetzung konkret vorstellen?

Unser Ziel:

Weiter zu denken und eine neue Darstellung mit technischen Mitteln zu schaffen:

  • Mit unserem Digital Teamboard braucht man nicht mehr so viel Platz, wie mit bspw. einer großen Whiteboard. Ein großer Monitor reicht aus
  • Von der Hardware sind wir unabhängig: Die Größe ist variabel – allerdings ist man nicht mehr nur an einen Ort gebunden. Man kann sich die Kennzahlen von Tablets abrufen, wie aber auch von PCs.

Ziel ist eine Software, die alles rund um Shopfloor Management abdeckt: Von der live-Darstellung von Kennzahlen bis zur assistierten Problemlösung, die Führungskräfte und Mitarbeiter durch die Methode begleitet (was auch den Hauptunterschied zu bestehenden Lösungen ausmacht). Also eine zentrale Informations-Aggregations- und Kommunikationsstelle für den Shopfloor.

Um sich einen optischen Eindruck zu verschaffen, wie unser System im täglichen Shopfloor-Alltag genutzt wird, haben wir einen Demonstrator in der Prozesslernfabrik “CiP” an der TU Darmstadt bereitstehen, der in diese Lernfabrik eingebunden ist. Diese bildet einen realen Wertstrom mit Fertigungs- Montage und Qualitätsprozessen ab: Von Montagelinien über Werkzeugmaschinen bis hin zu IT-Systemen, wo viele Daten zusammenfließen. Wer sich gerne selber einmal daran ausprobieren möchte, kann dies in dieser Umgebung auch sehr gerne tun.

Der große Vorteil der Digitalisierung

Einer der großen Vorteile der Digitalisierung des Shopfloores liegt beispielsweise in der Vereinheitlichung der firmeninternen Abläufe. Hierbei besteht auch die Möglichkeit, selbstständig Prozesse und Tools weiterzuentwickeln und anzupassen, wie zum Beispiel:

  • in Form von Einbindung und Konfigurierung neuer Kennzahlen, oder
  • Vorantreiben des Nutzermanagements

Mit unserer Unterstützung sind auch Anpassungen an unternehmensindividuelle Workflows möglich.

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…und wo bekommen wir die Daten her, die wir visualisieren? Wie groß ist der jeweilige Aufwand dafür?

Unser Anspruch:

Anbieten einer möglichst hohen Flexibilität bezüglich der Datenquellen!

Beispielswiese durch die Möglichkeit der Anbindung und Verwendung von Daten aus bereits bestehender IT-Systeme als Kennzahlen. Unser System extrahiert die Informationen aus Excel-Tabellen, ME-Systemen oder ähnlichen und übersetzt diese direkt in Kennzahlen. Darüber hinaus ist eine manuelle Eingabe von Kennzahlen natürlich auch möglich – wie zum Beispiel im Falle von Arbeitsunfällen.

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Ist es auch möglich, Workflows oder Deadlines über das Shopfloor-Board anzufragen und informiert zu werden?

Ziel ist es, die Daten für die Shopfloor Management-Abläufe nutzbar zu machen und sie den Mitarbeitern so zur Verfügung zu stellen, dass schnelle Entscheidungen getroffen werden können.

Auch sollen auch Fälligkeitsdatum als Erinnerungen erscheinen. Als künftige Entwicklung planen wir hier auch eine Integration in Office-Programme, sodass diese Erinnerungen auch via Teams empfangen werden können. Im Zuge der Industrie-4.0-Welle ist ein deutlicher Interessensanstieg an der Weiterentwicklung von Lean zu verzeichnen.

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Zwei Dimensionen in einer Fabrik: Auf der einen Seite den Menschen und auf der anderen Seite die automatisierte Analyse von Maschinendaten. Wie könnte hier künftig die Zusammenarbeit aussehen? 

Shopfloor Management wird für die Akteure – den Menschen in der Produktion- eine Schnittstelle, bzw. “ein Tor” zu den Daten und Informationen aus den automatisierten Systemen sein können. Hier kann die Digitalisierung einen wichtigen Beitrag leisten, die analysierten Maschinendaten zu isolieren und zielgerichtet bereitzustellen, sodass diese zur Weiterentwicklung genutzt werden können – quasi ein Bindeglied zwischen der automatisierten Welt und den Menschen, die mit diesen Daten weiterarbeiten.

In Summe wird sich das Shopfloor Management zukünftig eine unterstützende, aber arbeitserleichternde und verlässliche Tätigkeit in der Produktion sichern. Dem Menschen werden demnach mehr wartende, überwachende und verbessernde Tätigkeiten zukommen – durch die das digitale Shopfloor seine höchst unterstützende Funktion entwickeln kann.

Brauchst du Unterstützung bei der Kaskadierung Deiner Kennzahlen?

Lean& Industrie 4.0 Meetup, Darmstadt

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